Kräftige Männer in Schottenröcken werfen Baumstämme um die Wette, an den Ständen des Mittelaltermarktes werden alle möglichen Waren zum Kauf geboten, aus der Ferne summen Dudelsäcke und es riecht nach heisser Glut und garem Fleisch. Immer Anfangs August öffnet sich in Fehraltorf ein Tor in eine andere Welt: Die grössten Highlandgames der Schweiz werden ausgetragen. Vereinspräsident Ernst Huwyler erzählt, wie er damals sofort aus all seine Vereinsmitgliedschaften ablegte, nachdem er zum ersten Mal an den Highlandgames war und wie der Event auch heute noch auf ein grosses Interesse stösst.

Während sich im Hintergrund eine Band auf der Bühne einrichtet, absolviert ein Sportler seine letzte Disziplin des Tages: den Hindernislauf. Nur mit einem Kilt bekleidet, hievt er sich über hohe Holzwälle, rollt ein Holzfass vor sich her, robbt unter einem Tarnnetz, durchquert einen Wassergraben. Die Zuschauer und die Kollegen seines Clans feuern ihn lautstark an. Bei jedem neuen Kraftakt kneift er die Augen zusammen und stöhnt. Man sieht dem Athleten an, dass er einen harten Tag hinter sich hat. Es ist ein faszinierender Ort hier, der etwas Echtes, Raues und sehr Reizvolles an sich hat.

Ächzend kämpft sich ein Spieler durch den Hindernisparcours.

Highlander tragen die Spiele im Herzen

«Dieses Jahr haben wir rund 240 Wettkämpfer und Wettkämpferinnen auf dem Gelände. Wir mussten die Anmeldung schon vor zwei Wochen schliessen», erzählt Ernst Huwyler, Präsident des Vereins Highlander Fehraltorf. Obwohl der dreitägige Anlass zu viel mehr geworden ist als nur ein Sportwettkampf, so sind die Spiele nach wie vor das Herz des ganzen Events. «Für uns haben die Games einen hohen Stellenwert. Wir wollen, dass alle mitmachen können. Daher ist nicht nur Kraft, sondern auch viel Geschicklichkeit gefragt», so Huwyler.

Wettkämpfer können sich einzeln oder als Teil eines Clans anmelden. Die Clans sind an diesem Wochenende einfach zu erkennen: Sie tragen alle den gleichen Kilt, ihren Clan-Kilt. Neben den Amateursportlern nehmen auch lizenzierte Spieler teil. Sie messen sich in sieben Disziplinen:

  • Maibaumklettern
    Die Spieler müssen einen ca. 12 Meter hohen Baumstamm schnellstmöglich erklimmen.
  • Steinwuchten
    Die Athleten und Athletinnen müssen einen 60kg schweren Stein so schnell wie möglich auf eine Höhe von 4.50m ziehen. Der Stein wird immer schwerer und bringt es kurz vor der Zielglocke auf stattliche 120kg.
  • Steinhochwurf
    Ein 19kg schwerer Stein wird auf eine vom Spieler angesagte Höhe geworfen. Die Höhe muss zwingend erreicht werden, ansonsten gilt der Wurf nicht.
  • Hindernislauf
    Ein Parcours mit zahlreichen Hindernissen muss so schnell wie möglich durchquert werden.
  • Langbogenschiessen
    Fünf Schüsse mit einem vom Veranstalter gestellen Langbogen, die besten drei zählen.
  • Axtwerfen
    Würfe mit einer genormten Axt, wobei nur Treffer auf die Zielscheibe gezählt werden.
  • Die Königsdisziplin: Baumstammwerfen
    Ein ca. 4.5m langer und 35kg schwerer Baumstamm muss so weit wie möglich geworfen werden. Dabei ist es zwingend, dass sich der Stamm überschlägt. Tut er dies nicht, ist der Wurf ungültig.
Baumstammwerfen ist die Königsdisziplin an den Spielen.
Den Stamm so zu werfen, dass er sich überschlägt, braucht einiges an Kraft und die richtige Technik.

Es begann mit einem einzelnen Zelt

Die Spiele waren es auch, womit einst alles begann. Eine grüne Wiese mit einigen Holzpflöcken, einigen Seilen und «ein Zelt mit einer Beiz drin, mehr hatte es damals nicht», erzählt Huwyler. Das war 2001, es kamen 150 Zuschauende. Was eine einmalige Sache hätte sein sollen, wurde wiederholt, gewann an Bekanntheit und wuchs schnell. 2004 wurde der Verein gegründet, 2005 kamen 5000 Zuschauerinnen und Zuschauer. 2008 trug Fehraltorf gar die Schweizermeisterschaft auf und hielt viertägige Games ab, was den Verein jedoch an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit brachte. 2010 baute man zur Feier des 10-jährigen Bestehens einen 10 Meter hohen Turm. «Seither ist die Veranstaltung immer etwa gleich gross geblieben – gerade so gross, dass wir es als Verein stemmen können.» Huwyler blickt zur Bühne und sinniert: «Natürlich könnte man bekanntere Bands buchen, mehr Stände und Aussteller hineinholen, usw. Aber dann würde die Sache das Gleichgewicht verlieren. So wie es jetzt ist, ist es ideal.»

Ich frage ihn, wie er damals zum Verein gefunden hat. Es folgt die Anekdote einer Liebe auf den ersten Blick.

Die österreichische Band Paddy Murphy heize dem Publikum mit ihrem Speedfolk, wie sie ihren Stil treffend nennen, kräftig ein.

Liebe auf den ersten Blick

«2007 kam ich zum ersten Mal an die Highlandgames Fehraltorf. Und ich erinnere mich noch genau, ich betrat das Gelände und da wusste ich, hier bin ich zuhause.» Ernst Huwyler und die Schottland-Kultur, das funktionierte. «Damals war ich noch in der Guggenmusig und im Schützenverien. Beiderorts bin ich aber sofort ausgetreten.» Seit 2014 präsidiert er nun den Verein und man fühlt, dass er das Highlandertum lebt. Wenn er die Pipes- und Drums-Bands auf dem Gelände anführt, tut er das mit Herzblut.

Der Verein umfasst insgesamt 48 Mitglieder. Der Aufbau des Geländes beginnt bereits 22. Juli und bis auch der letzte Holzpfahl wieder aus dem Boden gezogen ist, wird es Mitte August. Während die Spiele 2017 noch im Vollen Gange sind, haben die Vorbereitung für das kommende Jahr bereits gestartet. «Nächste Woche treffen wir uns und besprechen die Bands des nächsten Jahres», so Huwyler.

Die Fahne mit dem Logo der Highlandgames flattert im Wind.
Enrst Huwyler, Präsident des Vereins Highlander Fehraltorf, führt die massed Band an – eine Kombo aus Musikern aus fünf Pipes- und Drums-Bands.

Highland und Mittelalter Hand in Hand

Auf der einen Seite wird an den Highlandgames in Fehraltorf ausgiebig die Schottland-Kultur gelebt, auf der anderen Seite kommen aber auch Fans des Mittelalters auf ihre Kosten. Denn Teil des Events ist ein grosser Mittelaltermarkt, an dem man alle möglichen Dinge erstehen kann. Von verschiedensten Holz- und Lederwaren über handgemachte Laternen, Schuhe, Kleidung und handgeschmiedete Schwerter bis hin zu Dekoartikeln oder Schmuck. Spannend zu beobachten ist, dass sich hie und da auch mal ein Pirat oder eine Piratin unter das anwesende Volk mischt. «Dieses Jahr haben wir 56 Markt- und Essensstände», rechnet Huwyler. Die Spiele hätten, wie gesagt, nach wie vor einen hohen Stellenwert. «Doch mit den Spielen alleine baut sich kaum eine Fangemeinde auf. Das ganze drum herum mit Markt und Konzerten und Essen und Trinken braucht es, damit für alle etwas dabei ist.», so Verienspräsident Huwyler.

Die Games sind ein phänomenaler Ort, um für eine kurze Zeit vom Alltag ab- und in eine andere, neue Welt einzutauchen. Die nächsten Spiele finden vom 03. – 05. August 2018 statt.